Musikunterstütztes Training

notenEin Schlaganfall kann wirkungsvoll mit Musik behandelt werden. Dieser Meinung ist der Neurologe und Musiktherapeut Eckart Altenmüller.

Der Mediziner Eckart Altenmüller ist Facharzt für Neurologie und seit 1994 Universitätsprofessor und Direktor des Instituts für Musikphysiologie und Musikermedizin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover.

Nach einem Schlaganfall muss der Patient verlorene Fähigkeiten wieder erwerben. Studien zu einer neuen Therapie mit dem Namen Musikunterstütztes Training (MUT) zeigen: Mit Klavier und Gesang lassen sich schneller Erfolge erzielen als mit herkömmlichen Methoden alleine.

260.000 Menschen haben jedes Jahr in Deutschland einen Schlaganfall. Bei 90 Prozent von ihnen ist der Bewegungsapparat betroffen. Thomas Münte, Arzt an der Universität Magdeburg, schätzt, dass ein Drittel dieser Patienten für Musiktherapie infrage käme – immerhin etwa 85.000 Menschen.

Dass die Betroffenen gut auf die musikalische Therapie ansprechen, hat mit der besonderen Funktion von Musik für das Gehirn zu tun. Anders als andere Fähigkeiten ist die Musikalität nicht in einer eng umrissenen Hirnregion angesiedelt. Musik spricht vielmehr neben dem Gehör auch den Bewegungsapparat an, das Gefühl und den Verstand. Wenn wir musizieren oder auch nur Musik hören, spielen diese Teile des Gehirns wie in einem Konzert zusammen. Weil bereits kurze Beschäftigung mit Musik offenbar messbar das Gehirn »umbaut«, kam Eckart Altenmüller auf die Idee, sie für die Therapie von Schlaganfallpatienten einzusetzen. Denn nach dem Anfall sind die grundlegenden motorischen Fähigkeiten des Muskelapparats ja nicht verschwunden. Diese Kontrolle wiederzugewinnen, die vorher von den geschädigten Hirnpartien ausgeübt wurde, ist das Ziel der Therapie. Wie ein Kleinkind muss der Patient neue Hirnareale darauf trainieren, Schritt für Schritt die Herrschaft über seine Extremitäten zu gewinnen. Das ist ein langwieriger Prozess; biblische Wunder vollbringt auch die Musiktherapie nicht.

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Altenmüller sagt, aktives Musizieren sei eine der anspruchsvollsten Leistungen des Zentralnervensystems und spreche das ganze Gehirn an. Es müsse zahlreiche Muskelgruppen schnell und präzise koordinieren. Durch musikalische Übungen könnten Hirnareale, die geschädigt wurden, wieder aktiviert werden. Altenmüller erklärte, wenn ein Patient ein Instrument lerne, helfe ihm das, geschwächte Körperteile gezielter zu bewegen.

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