Barrierefreie Arztpraxen – die Nadel im Heuhaufen

In Deutschland gibt es mehr als sieben Millionen schwerbehinderte Menschen. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen, die auch Deutschland ratifiziert hat, sichert ihnen die „volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft“ zu. Die Unterzeichner-Staaten verpflichten sich, Maßnahmen zu ergreifen, damit Menschen mit Handicap nicht diskriminiert werden. Dazu gehört auch, Behinderten „den gleichberechtigten Zugang“ zu Ärzten zu ermöglichen. Doch im Alltag stoßen die Betroffenen sehr häufig noch auf Barrieren.
Gerade die Wahl eines Arztes wird da sehr schnell zu einer Frage der Erreichbarkeit. Kürzlich musste die Bundesregierung feststellen, dass nur 22 Prozent der Allgemeinärzte in Deutschland über eine barrierefreie Praxis verfügen. Radiologische Praxen sind immerhin zu einem Drittel barrierefrei erreichbar. Am schlechtesten schneiden Zahnmediziner und Kieferchirurgen ab: Nur 15 Prozent ihrer Praxen sind für Rollstuhlfahrer überhaupt zu erreichen.
Wenn es aber um eine adäquate Behandlungsmöglichkeit schwerbehinderter Menschen geht, wird das Bild schnell noch viel düsterer. Parkplätze für Behinderte, leicht zugängliche Toiletten oder spezielle Untersuchungsmöbel bieten im Durchschnitt nicht einmal zehn Prozent aller Praxen an.
Unter solchen Voraussetzungen stellt sich die Frage inwiefern für behinderte Menschen die gesetzlich garantierte freie Arztwahl eigentlich gewährleistet ist. Als Mensch mit einer Behinderung muss man sich doch zuerst einmal darüber informieren, ob man eine Praxis überhaupt betreten kann und wenn ja, ob dort dann eine der Behinderung angepasste Untersuchung und Behandlung möglich ist. Die Kompetenz des Arztes und das Vertrauen zu ihm stehen dann bei der Arztwahl schnell im Hintergrund.

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